Volltextsuche auf: https://www.meersburg.de
Bild des  oberen Teils der Magischen Säule, welche an der Meersburger Hafenmole steht.

Die Magische Säule

Am 28. April 2007 wurde in Meersburg Peter Lenks „Magische Säule“ enthüllt. Der Bildhauer aus Bodman am Bodensee polarisiert seit Jahrzehnten mit seinen Kunstwerken die Öffentlichkeit. Zu seinen bekannten Werken gehören u.a. die Imperia in der Konstanzer Hafeneinfahrt, der „Konstanzer Triumphbogen“ (Laubebrunnen) und seit Oktober 2020 eine Skulptur in der Landeshauptstadt, die das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 thematisiert. Der Künstler, 1947 in Nürnberg geboren, reklamiert für sich „die Zweideutigkeit des Konkreten aufzudecken“ und folgerichtig stoßen seine Werke immer wieder auf heftige Kritik.

Die Meersburger "Magische Säule" erhebt sich jedoch vergleichsweise friedlich als 15 m hohes Denkmal auf dem Hafenrondell. Das „magisches Varieté“ versammelt bekannte Persönlichkeiten der Meersburger Stadtgeschichte. Die Gestalten sind gekleidet in die Kostüme ihrer Wunschphantasien; ihr Wirken wird anhand der Darstellung verdeutlicht.

Der obere Teil der Magischen Säule von Peter Lenk vor einem blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein.

Zuoberst folgt eine Möwe mit dem Antlitz Annette von Droste-Hülshoffs dem Drehtanz im Wind und gibt dem Säulen-Opus so eine poetische Dimension. In ihrem Gedicht "Am Turme" wünscht sich die berühmteste deutsche Dichterin gleich einer Seemöwe die Freiheit über dem See zu erleben. Direkt unter ihr ist ihr Schwager, Sammler mittelalterlicher Handschriften und Besitzer der Burg Meersburg, Freiherr Joseph von Laßberg verewigt. Die Droste nannte ihn unter anderem “Nibelungen-Steckenreiter“. Ihm zur Seite tritt Amor als Liebesschütze von Meersburg auf. Er traf den Burgherrn Laßberg durch die Rüstung – zweimal ehelich, einmal außerehelich. Auch der Droste zielte er mitten ins Herz, deren geliebten Levin Schücking (Bibliothekar Laßbergs) verfehlte er mit einem Streifschuss.

Auf gleicher Ebene befindet sich das Edelfräulein Wendelgard von Haltnau. Laut Legende war sie durch eine  Nase mit Höcker verunstaltet. Die Meersburger sollten ihr Gut bewirtschaften dürfen, wenn täglich ein Ratsherr mit ihr essen und sie sonntags mit der Kutsche ausfahren würde. Die Meersburger lehnten das Angebot wohl ab; die Konstanzer jedoch akzeptierten es – und erfreuen sich noch heute am Weingut, das von der städtischen Spitalkellerei verwaltet wird. 

Foto des unteren Teils der Magischen Säule von Peter Lenk. Die Säule steht direkt am Bodensee und ist von Touristen umringt.

An der Säulenbasis ist das Handeln des Exorzisten Johann Joseph Gaßner (1729-1779) veranschaulicht. Im wahrsten Sinne des Wortes fahren die Teufel aus dem Körper! Seine exorzistischen Heilungen erregten großes Aufsehen – auch in Meersburg fieberte man 1774 dem spektakulären Ereignis entgegen.

Bischof Franz Konrad von Rodt und der Arzt Franz Anton Mesmer waren Gegner der Teufelaustreibungen. Mesmer gilt für viele als Begründer der modernen Hypnose-Therapie. Er entdeckte eine Methode, die Kraft des körpereigenen sog. „animalischen Magnetismus“ heilend in den leidenden Körper fließen zu lassen. Leider ist es nicht ohne Ironie, dass es Jahre später Mesmer wie Gaßner erging: Seine Lehre wird von der französischen Akademie der Wissenschaften als Humbug und Scharlatanerie abgetan. Anerkannte wissenschaftliche Kapazitäten Wiens wie den Hofastronomen Hell, den Präses der Medizinischen Fakultät Anton von Stoerck und den Impfarzt Jan Ingenhousz als „Intriganten“ in einem Planetenkäfig einzusperren und über ihnen den „Magnetisieur“ Mesmer triumphieren zu lassen nennt Peter Lenk grotesk!


Peter Lenk, der Künstler 

Der Künstler aus Bodman-Ludwigshafen wurde am 06. Juni 1947 in Nürnberg geboren. Über mehrere Lebensstationen kam er nach seiner Ausbildung an den Bodensee. Hier schuf er eine Vielzahl von Skulpturen, welche in Lenk`scher Manier in der Hauptsache mit satirischem Charakter zur Umsetzung kamen. Dazu zählen im Bodenseegebiet die Konstanzer „Imperia“, der „Triumphbogen“ und die „Karriereleiter“. Für Gaienhofen fertigte er die „Dix Kurve“ und in seinem Heimatort Bodman den „Bildhauergarten“. Am Fischbacher Bahnhof ist der „Achäer“ zu sehen, und hier an Meersburgs Hafenmole die „Magische Säule“. Für den Überlinger Landeplatz entwickelte er den Bodenseereiter und für den Garten des Gasthofs Krone ein „Napoleondenkmal". In Überlingens städtischer Galerie sind zudem Lenks „Prominente und Proleten“ ausgestellt. Auf dem Stockacher Sparkassengelände ist das „U-Boot U20“ aufgestellt, an der Unteren Apotheke der „Ehrenwortbube“. Am Stadtbild von Singen am Hohentwiel beteiligte sich Peter Lenk ebenfalls zweifach, zum einen durch den „Paradiesbaum“ am Scheffelplatz und die „Ärztespritze“ in der Kreuzensteinstraße. Im Oktober 2020 wurde die Skulptur "S 21. Das Denkmal - Chroniken einer grotesken Entgleisung" enthüllt, die an Akteure rund um das milliardenschwere Bahnprojekt erinnern. Herzstück ist eine Figur, die an Laokoon aus der griechischen Mythologie angelehnt und mit dem trojanischen Pferd verknüpft ist. Deutschlandweit sind weitere seiner verblüffenden Objekte aufgestellt, darunter in Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Direkt nach oben