Der Meersburger Ratssaal

„Anno 1551 ward firwahr / Diß Ratthauß gebaut: In dem Jhar / Anno 1582 Ist diser Sahl ver-wendt / Inn ain Stuben und wol volendt“. So lautet die Inschrift einer städtischen Wappenscheibe. Seit dieser Zeit ist diese Funktion des stattlichen Hauses am Marktplatz 1 belegt, und bis heute ist dort der Sitz der Stadtverwaltung. Zentrum des Rathauses ist der Ratssaal, in dem nicht nur Rat gehalten wurde (und wird), sondern früher auch Gerichtssitzungen stattfanden. Darüber hinaus diente der Ratssaal auch von Anfang an repräsentativen Zwecken, was die sehenswerte Ausstattung bis heute bestätigt.

Ratssaal im Meersburger Rathaus
(Historische Ansicht des Meersburger Ratssaales)

Der Raum empfängt sein Licht durch je 3 tief in die dicken Umfassungsmauern eingeschnittene Fenster auf der Markt- und Schlossseite, in deren Nischen geschmackvolle Nussbaumverkleidungen die Heizkörper verdecken. Seine Innenausstattung aber erhielt der Saal um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Bei dieser Gelegenheit war es wohl, dass der Ratsherr und Kaufmann Hyacinth Merlet in ihn das große Ölgemälde in glänzendem, mit Bandel- und Laubwerk geschmücktem Goldrahmen stiftete, das in eigenartiger Auffassung Christus am Kreuz zeigt die Kopie eines Dresdener Originals. „Donavit Curiae 1742", ist auf seiner Rückseite aufgemalt. Auf diese Zeit weist auch die jetzt zu prächtiger Wirkung gebrachte Stuckdecke. Sie zeigt über einer kräftigen Hohlkehle auf gelbem Grunde reizvolles Bandelwerk, das sich um ein grün getöntes Mittelstück gruppiert und bisher unter einem monotonen weißen Kalkanstrich fast ganz verschwunden war. Jetzt erst heben sich auch die beiden Monogramme in der Mitte des gleichfalls grün getönten Randes der beiden Schmalseiten der Decke ab, die ich als „Jesus Christus" und, Maria" deuten möchte, die Losungsworte der Gegenreformation. „Jesus Maria“ steht ja auch über der ersten Seite des Bürgerbuches von 1525! Echten Barockgeist atmen auch der prachtvolle neue Maria-Theresia-Lüster aus Muranoglas und die dazu passenden Wandleuchten, die dem Saale besonders abends einen festlichen Charakter verleihen. Die Wände schmücken ausgewählte, alte, stadtgeschichtlich bedeutsame Ölgemälde. So sehen wir an der Stirnseite des Saales zu beiden Seiten des Christusbildes links das Porträt des Fürstbischofs Jakob Fugger (reg. 1604-26) mit der bekannten zeitgenössischen Stadtansicht und der Inschrift: „Anno Domini 1623, aetate 57" (gemalt 1623, im 57. Jahre Fuggers). Rechts hängt, 1787 von Bildstein gemalt, das Bild Maximilian Christophs von Rodt, des Erbauers des Theatersaals und großen Wohltäters der Stadt. Die gegenüberliegende Wand aber nehmen rechts der Tür die Porträts des letzten geistlichen und des ersten weltlichen Landesherrn ein, des Freiherrn Karl Theodor von Dalberg und des ersten Großherzogs v. Baden Karl Friedrich, beide 1803 von J. S. Dürr gemalt. Ein altes Prachtstück ist aber vor allem der große gusseiserne Ofen des Ulmer Meisters Michael Dauer von 1583, der wieder mit dem Stadtwappen und außerdem mit allegorischen, teilweise schwer erkenn- und deutbaren Darstellungen aus der biblischen und Profangeschichte geschmückt ist. Besonders fein ist das handgeschmiedete Schutzgitter des einheimischen Meisters Heinrich, das den von dem Konstanzer Hafnermeister Jörg Conrad aufgebauten Ofen an zwei Seiten umgibt.
(Text des früheren Archivars Adolf Kastner aus den 60er Jahre)

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