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Droste-Preis der Stadt Meersburg

Alle drei Jahre verleiht die Stadt Meersburg den Droste-Preis im Gedenken an die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff, die ihre letzten Lebens- und Schaffensjahre in Meersburg verbracht hat. 1956 von Freifrau v. Bothmer – über Heirat eine Nachfahrin der Droste – gestiftet, ist der Droste-Preis der älteste deutschsprachige Literaturpreis, der ausschließlich an deutschsprachige Autorinnen vergeben wird. Er ist mit 6.000,-- € dotiert. Vergangene Preisträgerinnen sind u. a. Nelly Sachs, Rose Ausländer, Hilde Domin, Eva Zeller, Gertrud Leutenegger, Eveline Hasler, Friederike Mayröcker oder auch Marlene Streeruwitz.
Seit 2003 vergibt die Stadt darüber hinaus einen Literaturförderpreis, dessen Preisgeld 4.000,-- € beträgt. Während der Droste-Preis in der Regel für ein Gesamtwerk verliehen wird, sollen mit dem Literaturförderpreis ganz bewusst jüngere Schriftstellerinnen ausgezeichnet werden, die erst am Beginn ihrer literarischen Laufbahn stehen. Aufgrund der Vielseitigkeit des Œuvre Annette von Droste-Hülshoffs kommen Preisträgerinnen aller literarischen Gattungen in Frage.

1962 übergab Freifrau v. Bothmer, damalige Besitzerin des Fürstenhäusles und Vorsitzende des Internationalen Bodensee Klubs (heute IBC) den Droste-Preis in die Obhut der Stadt  und „mit Zustimmung des Bodensee-Klubs e. V. Überlingen und der Annette von Droste-Gesellschaft e. V. in Münster / Westfalen“ wurde ein neues Statut beschlossen.

Der Preis, der demgemäß erstmals 1963 vergeben wurde, sollte alle vier Jahre verliehen werden. Das Preisgeld wurde zunächst auf 3.000 DM festgesetzt; erst 1979 wurde der Betrag auf 5.000 DM erhöht und der Vergaberhythmus auf drei Jahre verringert. Die nächste Änderung des Statuts erfolgte 1995: Das Preisgeld wurde auf 10.000 DM erhöht, und die Jury, der bis dahin drei Vertreter des IBC sowie je ein Vertreter der Droste-Gesellschaft und der Stadt angehört hatten, wurde um die Leitung des Meersburger Kulturamts erweitert.

Portrait Droste


Statuten
Grundlegend neu gefasst wurden die Statuten im Jahr 2003. Dem Droste-Preis, der nun mit 6.000 € dotiert ist, wurde ein Literaturförderpreis (mit 4.000 € Preisgeld) an die Seite gestellt, mit dem ganz bewusst jüngere Autorinnen ausgezeichnet werden sollen, die erst am Anfang ihrer literarischen Laufbahn stehen; sie sollten damit ausdrücklich ermutigt werden, „in ihrem Schaffen fort zu fahren“ (so wörtlich in den Statuten 2002). Diese Ergänzung ist umso wichtiger, ja notwendiger geworden, je verbreiteter während des letzten Jahrzehnts die Tendenz wurde, renommierte Preise bevorzugt an Autoren und Autorinnen zu vergeben, die sich bereits einen Namen in der literarischen Öffentlichkeit gemacht haben.

Damit wurde das >heimliche< Profil des Meersburger Droste-Preises zugleich in die Satzung aufgenommen. Denn zum Profil des Drostepreises gehört es, Autorinnen zu ehren, deren Werke sich einer allzu populären Lesart widersetzen; ausgezeichnet werden zumeist Autorinnen, die eher am Rande des Literaturbetriebs stehen. Dies hat allerdings Tradition, denn auch die Patronin des Preises, Annette von Droste-Hülshoff, verweigerte sich den literarischen Moden ihrer Zeit, wollte „lieber in hundert Jahren“ gelesen werden, als ihre Schreibweise den Launen des Augenblicks anzupassen.

Die Preisträgerinnen:

  • 1957 Erika Burkhart
  • 1960 Nelly Sachs
  • 1963 Christine Busta
  • 1967 Rose Ausländer
  • 1971 Hilde Domin
  • 1975 Eva Zeller
  • 1979 Gertrud Leutenegger
  • 1982 Maria Menz, Dorothee Sölle
  • 1985 M. Thérèse Kirschbaumer
  • 1988 Elisabeth Plessen
  • 1991 Jenny Aloni
  • 1994 Eveline Hasler, Schweiz
  • 1997 Friederike Mayröcker, Wien
  • 2000 Helen Meier, CH-Trogen
  • 2003 Kathrin Schmidt, Berlin; Literaturförderpreis: Julia Schoch, Potsdam
  • 2006 Ulrike Draesner, Berlin; Literaturförderpreis: Marion Poschmann, Berlin
  • 2009 Marlene Streeruwitz, Wien; Literaturförderpreis: Silke Scheuermann, Karlsruhe
  • 2012 Helga M. Novak, Berlin; Literaturförderpreis: Almut Sandig, Leipzig, Berlin
  • 2015 Judith Schalansky, Berlin; Literaturförderpreis: Teresa Präauer, Wien

Droste-Preis 2015 der Stadt Meersburg an Judith Schalansky
Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, studierte Kunstgeschichte an der FU Berlin und Kommunikationsdesign an der FH Potsdam. Sie lebt heute als freie Schriftstellerin und Buchgestalterin in Berlin. Die Autorin wurde u. a. mit folgenden Preisen ausgezeichnet: Hölderlin-Förderpreis (2012), 1. Preis der Stiftung Buchkunst (2009 und 2012), Lessing-Förderpreis (2013), Märkisches Stipendium (2013), Mainzer Stadtschreiber-Preis (2014), Preis der Literaturhäuser (2014).
Judith Schalansky hat die Jury vor allem durch die Vielseitigkeit und die Radikalität ihres Werkes beeindruckt. Ein Werk, das auch in seiner Gestaltung sehr hochwertig und kreativ ist. Mit ihrem unabhängigen Geist und der politisch gesellschaftlichen Stellungnahme, die aus Schalanskys Dichtung präzise und mit großer poetischer Kraft sprechen, sieht die Jury einen engen Bezug zu Annette von Droste-Hülshoffs Œuvre. Ebenso in ihrer schöpferischen Vielseitigkeit als Buchgestalterin, als Schriftstellerin und als Herausgeberin. Die Buchgestaltung als „Autorenleistung“ ist integraler Bestandteil von Judith Schalanskys eigenwilliger Poetik, und damit nimmt sie im heutigen literarischen Schaffen durchaus eine Außenseiterstellung ein.
„Judith Schalansky ist schon jetzt ein Glücksfall für die deutsche Literatur.“ Alexander Cammann in: ZEIT Literatur, 2011

Werke
Schalanskys literarisches Debüt 2008 war der Matrosenroman Blau steht dir nicht (mare / Suhrkamp Taschenbuch 2011). „Ein kulturhistorisch anspruchsvolles Buch mit philosophischem Tiefgang.“ Deutschlandradio
2009 erschien ihr Atlas der abgelegenen Inseln (mare), ein zauberhaftes, von ihr gestaltetes Buch, in welchem sie fünfzig poetische Kurzporträts real existierender Inseln versammelte und jeweils mit einer nachgezeichneten Karte versah. Für diesen international erfolgreichen Bestseller wurde sie u. a. für ihre Gestaltung mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.
Der Bildungsroman Der Hals der Giraffe (Suhrkamp) wurde 2011 zum großen Presse- und Publikumserfolg. Kritikerinnen und Kritiker bejubelten den „besten Roman des Jahres“, die Stiftung Buchkunst zeichnete ihn als „schönstes Buch des Jahres aus“ und die Leserinnen und Leser machten ihn zum Bestseller. Schauplatz der Geschichte ist eine der irrwitzigsten Anstalten der Welt: die Schule.
Seit dem Frühjahr 2013 gibt Judith Schalansky im Verlag Matthes & Seitz Berlin die ungewöhnliche, bibliophile Buchreihe Naturkunden heraus. Jedes Buch in dieser Reihe ist eine eigene Kunde von der Natur und ist dabei so aufwendig, vielgestaltig und schön, wie die Natur ihrer Gegenstände es fordert.
Judith Schalanskys Bücher sind in über 20 Sprachen übersetzt und wurden bereits mehrfach für die Bühne adaptiert.

Literaturförderpreis der Stadt Meersburg 2015 an Teresa Präauer
Teresa Präauer, geboren 1979, Autorin und Zeichnerin, lebt in Wien. Sie hat in Berlin, Salzburg und Wien Germanistik und Malerei studiert. 2012 erhielt sie für ihren Roman Für den Herrscher aus Übersee den aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadebüt. 2014 erhielt sie das Stipendium „Esslinger Bahnwärter“.
Sie überzeugte die Jury besonders durch die subtile Sprache, die sie für ihre Figuren findet und die sie in einen engen Bezug zu Annette von Droste-Hülshoffs Œuvre setzt. Mit der Verleihung des Förderpreises möchte die Jury der Autorin ihre Unterstützung aussprechen, den eingeschlagenen literarischen Weg weiterzugehen.

Werke
Eigentlich von der Bildenden Kunst kommend legte Teresa Präauer 2012 ihr literarisches Debüt vor: Für den Herrscher aus Übersee (Wallstein / Fischer Taschenbuch 2014), ein kurzweiliger und poetischer Roman über die Tücken und den Traum vom Fliegen. Im Herbst 2014 kam ihr zweiter Roman, Johnny und Jean (Wallstein) heraus, ein fantasievoller, moderner Künstlerroman. 2009 erschien das Postkartenbuch Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken (2. Auflage 2012, Edition Krill). 2010 zeichnete sie die Bilder für Die Gans im Gegenteil (Hoffmann und Campe) von Wolf Haas.
Teresa Präauer gestaltet die Cover ihrer Bücher selbst und zeichnet und schreibt regelmäßig für Zeitungen und Magazine. Als Bildende Künstlerin kamen bei ihr Sprache und Bilder in einzelnen Arbeiten immer zusammen, wie sie selbst sagt. Für sie sind es zwei ganz ähnliche Denk- und Arbeitsweisen.

Lit.: Franz Schwarzbauer: „Im Geist der Droste“ - Der Meersburger Droste-Preis und die Droste-Gesellschaft; in: Eine literarische Gesellschaft im 20. Jahrhundert. 75 Jahre Droste-Gesellschaft in Münster (1928-2003). Ausstellungskatalog hrsgeg. von Jochen Grywatsch / Bielfeld 2003)


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